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Wenn mich etwas schon lange interessiert hatte, dann dieses Thema! Lange Zeit dachte ich, niemals auch nur annähernd Bilder in diese Richtung machen zu können – jetzt weiß ich: Filter kaufen und ausprobieren!

Nein, ich rede nicht von Wärmebildern, wie die meisten denken. Das Prinzip der IR-Fotografie ist simpel: Mittels eines IR-Filters wird das sichtbare Licht weitestgehend herausgefiltert. Auf dem Chip in der Kamera kommt lediglich nur der Infrarot-Anteil an. Außerdem kommt es zu dem interessanten Nebeneffekt, dass das in Bäumen und Pflanzen enthaltene Chlorophyll Infrarotlicht besonders stark reflektiert und somit sehr hell wiedergegeben wird. Der sogenannte „Wood-Effekt“.

Da die Sensoren moderner Digitalkameras für infrarotes Licht sehr empfindlich sind, werden nicht entfernbare Sperrfilter zur Blockierung dieser Wellenlängen in die Kameras gebaut. Natürlich kann man den internen IR-Sperrfilter in einer Spezialwerkstatt entfernen lassen, allerdings wäre die Kamera dann nur noch ausschließlich für IR-Fotos geeignet.

Daher entscheide ich mich lieber für einen IR-Filter. Der Hoya R72 (720nm) ist durchlässig für einen Rest sichtbaren Lichts und bietet somit mehr Gestaltungsspielraum bezüglich der Falschfarben. Alles was man für ein gutes IR-Foto braucht, ist also Sonne. Und zwar sehr viel Sonne. Außerdem kommt es durch das schwach reflektierte Licht (aufgrund des Sperrfilters) zu Belichtungszeiten von 1/20 Sekunden und mehr. Wer das verwacklungsfrei aus der Hand hinbekommt, sollte über eine Karriere als Scharfschütze nachdenken. Alle anderen benötigen dringend ein stabiles Stativ. Super wäre es auch, wenn absolute Windstille herrscht, da es sonst zu erheblicher Bewegungsunschärfe kommt. Und am Besten sucht man sich ein Motiv in der Natur mit viel Pflanzengrün. Ebenso beliebte Motive in der „IR-Szene“ sind Ruinen, Burgen oder Schlösser. Aber wie immer sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Ich bevorzuge einen nachträglichen Weißabgleich der RAW-Bilder, um so farblich das Optimum erzielen zu können, also Weißabgleich auf Automatik. Auch der ISO-Wert sollte unbedingt auf den geringstmöglichen Wert eingestellt werden, da durch die langen Belichtungszeiten das Rauschen zunimmt.

Als Ausgangsbild bekommt man nun ein knallrotes Bild (1).An dieser Stelle tritt Photoshop auf die Bühne. Nach einem bereits erwähnten Weißabgleich und der automatischen Tonwertkorrektur, sieht das Bild schon etwas natürlicher und farbenfroher aus (2). Um aber den IR-Effekt richtig darzustellen, nutzt man das Channel-Shifting. Dabei wird im Kanalmixer einfach der Rot-Kanal gegen den Blau-Kanal getauscht, wodurch z.B. der Himmel eine kräftig blaue Farbe bekommt (3).

 Alles in allem erfordert es natürlich viel Geduld und Erfahrung. Hier gibt es kein Rezept für Blende und Belichtung, da der Effekt von der Sonnenintensität, der Jahreszeit und vielen weiteren Faktoren abhängig ist. Aber eine uralte Fotoregel besagt: „Wenn die Sonne lacht, Blende acht“!