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und wieder einmal bekam ich die Gelegenheit, verlassene Welten zu erkunden. Diesmal fiel die Wahl auf Wünsdorf, und zwar im November bei ca. 3 Grad Celsius. Also schnell sieben Pullover angezogen, Mütze und Schal eingepackt und früh um 6 ins Auto gestiegen. Wünsdorf liegt etwa 40 Kilometer südlich von Berlin.

Dort verbirgt sich eine lange militärisch traditionelle Geschichte, denn dort lag nicht nur einer der größten Nachrichtenknotenpunkte während des Zweiten Weltkrieges, sondern hier wurden auch die ersten Panzer, die „Dicke Bertha“ und die „V-Waffe“ getestet.

Nach dem Krieg wurde Wünsdorf dann zum Sitz des Oberkommandos der „Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland“, was auch den Grund unseres Besuchs erklärt. Als wir an dem komplett abgesperrten und überwachten alten Gelände ankamen, begrüßte uns auch schon der Wachschutz. Natürlich waren wir brav bei der Stadt angemeldet, was diesmal auch unbedingt notwendig war.

Also starteten wir gleich einen Rundgang über das Gelände, um einen Überblick über die Szenerie zu bekommen. Ich möchte erinnern, dass es eiskalt war. Mittlerweile auch noch windig. Und natürlich sind die Gebäude nicht geheizt. Aber für solche tollen Motive leidet man gern. Wann hat man schon einmal in seinem Leben die Möglichkeit in einem leeren Schwimmbad allein zu stehen? Im Becken herumlaufen zu können, durch die alten zerfallenen Umkleidekabinen hinüber zu den kaputten Duschanlagen? Abgesehen davon, dass jedes Wort durch die Akustik in der Halle so laut erscheint, ist es wirklich ein bizarres Erlebnis.

Zu den weiteren Highlights zählten die um 1930 erbaute kaiserliche Fechthalle, eine kaiserliche Reithalle und ein Casino. Dazu kommen viele herrlich dunkle Treppenaufgänge, gruslige Dachböden und die typisch ausgeräumten Büroräume. Bis man dann plötzlich in einem Theater steht. Mein erster Gedanke war: „Super, endlich mal im Sitzen fotografieren!“

Aber wie überall war der Zerfall leicht zu erkennen. Ob an nassen schimmligen Stellen an der Wand, dem Parkett, was sich abenteuerlich erhebt, der bröckelnde Putz, dessen Zeit einfach abgelaufen ist oder die tausend Splitter von Fensterscheiben im gesamten Gebäude verteilt– genau das ist es, was immer wieder den Reiz an solchen Orten ausmacht. Es sind die nichtalltäglichen Bilder, die faszinieren. Am Ende des Tages war die fotografische Ausbeute groß, die Freude über das Erlebte noch größer und der Körper völlig ausgekühlt. Bei mittlerweile gefühlten Minustemperaturen ging es dann zurück ins Warme Richtung Heimat.

 

Mehr Fotos von meinen Begleitern gibt es unter folgenden Links zu bestaunen:

 

http://www.flickr.com/photos/ingo72/sets/72157628037589407/

http://www.flickr.com/photos/endsilence/sets/72157628044237043/